Eine wichtige Frage zur Sanierung der ehemaligen Deponie Feldreben lautet: Wie wird verhindert, dass Schadstoffe aus der Deponie ins Grundwasser im Hardwald gelangen und möglicherweise das Trinkwasser verschmutzen?
Denn in nicht allzu grosser Entfernung der ehemaligen Deponie Feldreben liegt die Muttenzer Hard (Hardwald). Hier wird Grundwasser für die öffentliche Wasserversorgung der Region Basel gefördert.
Künstlicher Wasserüberschuss
Um die Konsumentinnen und Konsumenten zuverlässig mit Trinkwasser zu versorgen, wird im Muttenzer Hardwald das Grundwasser ständig künstlich angereichert: Vereinfacht gesagt, pumpen die Wasserversorger laufend vorgereinigtes Rheinwasser in den Hardwald. Dort fliesst es über Sickergräben und -weiher langsam in den Untergrund, wird dabei auf natürliche Weise gereinigt und zu Grundwasser und kann später von den Wasserversorgern zur Trinkwasserversorgung gefördert werden.
Ein Grundwasserberg im Untergrund
Ein zentraler Schutz davor, dass verunreinigtes Grundwasser aus umliegenden Industriegebieten, Güterbahnhof, Autobahn und der Deponie Feldreben in das Trinkwassergewinnungsgebiet gelangt, ist der sogenannte Grundwasserberg im Muttenzer Hardwald.
Man kann sich den Untergrund dort wie einen riesigen Speicher aus Kies und Sand vorstellen. In diesen Speicher wird absichtlich etwa doppelt so viel vorgereinigtes Rheinwasser eingeleitet, als gleichzeitig abgepumpt wird. Dadurch steigt der Grundwasserspiegel im Zentrum dieses Speichers im Vergleich zur Umgebung um 5 bis 8 Meter an. Es entsteht ein unterirdischer Grundwasserberg.
Dieser künstliche Wasserüberschuss wirkt als Schutzbarriere. Das Grundwasser strömt, wie in einem überlaufenden Eimer, von seinem Zentrum stets in alle Richtungen weg. Die Folge: Grundwasser von ausserhalb des Hardwalds, beispielsweise aus dem Gebiet Feldreben, wird zurückgedrängt und gelangt nach heutigem Wissensstand nicht zu den Trinkwasserfassungen.

Warum der Untergrund wichtig ist
Die Deponie Feldreben war ursprünglich eine Kiesgrube mit einem kleinen Steinbruch im Zentrum. Erst nach Ende des Kiesabbaus wurde sie zwischen 1930 und 1967 zur Deponie umfunktioniert.
Das ist für die Sanierung bedeutend, weil Kies und Sand gut wasserdurchlässig sind. Für eine sichere Sanierung der ehemaligen Deponie ist also ein gutes Verständnis der Zusammenhänge im Untergrund nötig. Man muss wissen und vorhersagen können, wo sich Grundwasser im Gebiet befindet und wie schnell es in welche Richtung fliesst. Nur so lässt sich einschätzen, wohin sich Schadstoffe ohne Schutzmassnahmen ausbreiten könnten.
Ab 2027 werden deshalb zusätzliche Sanierungsuntersuchungen durchgeführt. Das bestehende Netz von Grundwassermessstellen wird mit neuen Bohrungen rund um den Sanierungsbereich ergänzt. Dort wird der Grundwasserstand kontinuierlich gemessen. Zudem werden Grundwasserproben aus diesen Messstellen chemisch untersucht und weitere Feststoffproben aus dem Deponiekörper entnommen. So entsteht ein genaueres Bild, wo Belastungen im Deponiekörper liegen, ab wo Grundwasser ansteht und wie sich das Wasser im Untergrund bewegt.
Diese Untersuchungen sind die Grundlage für die nächsten Schritte: Sie zeigen, wo und welche Sanierungs- oder Sicherungsmassnahmen nötig sind.
Sicherheit während der Sanierung: pumpen, reinigen, kontrollieren, entsorgen
Nach den Untersuchungen beginnen die Sicherung und Behandlung des Grundwassers. Diese Massnahmen stellen sicher, dass auch während der Sanierung keine Schadstoffe aus dem Bereich der Deponie ins Grundwasser, bzw. in das benachbarte Trinkwassergewinnungsgebiet in der Muttenzer Hard gelangen.
Zuerst werden ausserhalb der Deponie tiefe Schächte bis in den Felsen gebohrt und zu sogenannten Sicherungsbrunnen ausgebaut. Aus diesen Brunnen wird potenziell verunreinigtes Grundwasser aus verschiedenen Tiefen nach oben gepumpt. Durch dieses ständige Abpumpen wird die Fliessrichtung des Grundwassers zu den Pumpen gelenkt. In einer speziellen Anlage wird das abgepumpte Wasser von allfälligen Schadstoffen befreit.
Zusätzlich werden sogenannte Sanierungsbrunnen innerhalb der Deponie eingerichtet – und zwar dort, wo sich die Schadstoffherde befinden. Die Sanierungsbrunnen leiten stark belastetes Grundwasser in die Reinigungsanlage. Dieses Verfahren heisst «Pump & Treat» («Pumpen & Behandeln») und ist eine bewährte Methode zur Sanierung von belastetem Grundwasser.
Diese Sicherungsmassnahme beginnt vor dem geplanten Teilaushub und läuft während der Sanierung weiter. Das bedeutet: Das Grundwasser wird bereits kontrolliert, geschützt und gereinigt, bevor belastetes Bodenmaterial ausgehoben wird. Die Grundwassersicherung und -behandlung ist zudem langfristig angelegt: Die Massnahme dauert voraussichtlich rund 20 Jahre.

